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PROGRAMME

Foto: Mara Winter

Bisclavret

SOLO PROGRAMM
 

Der Lai vom Werwolf Bisclavret.

Text von Marie de France (12. Jh.) | Musik von Hanna Marti

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Riddle songs

DUO PROGRAMM

Eine musikalische Kollaboration mit Stef Conner. Neuvertonungen von altenglischen Rätselgedichten aus dem Exeter Book (10. Jh.).

Musik von Hanna Marti und Stef Conner.

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Amrae Coluimb Chille

SOLO PROGRAMM
 

Eine historisch inspirierte Neuvertonung des altirischen Textes Amrae Coluimb Chille: Ein Klagelied für den mittelalterlichen irischen Abt und Missionar St. Colmcille (Columba) von Iona (520/1–597).

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Metamorphoses

SOLO PROGRAMM


Die Geschichte von Orpheus aus dem 10. und 11. Buch der Metamorphosen von Publius Ovidius Naso. Musik re-kreiert von Hanna Marti.

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Kollaborationen

Moirai Ensemble (Co-Direktion Hanna Marti und Mara Winter): www.moirai-ensemble.com

 

Sequentia Ensemble : www.sequentia.org

Ensemble Leones: www.leones.de

 

Links: Manuskript-Abbildung von Marie de France. Rechts: Beginn der Lais im Manuskript British Library, Harley 978 aus dem 13. Jahrhundert

Bisclavret

Der Lai vom Werwolf Bisclavret. Text von Marie de France (ca. 1135-ca. 1200). Musik von Hanna Marti

Ein wirtschaftlicher Aufschwung im 12. Jahrhundert sorgte für eine hohe kreative Produktivität und dafür, dass mehr Bücher produziert werden konnten: Zu dieser Zeit schrieben Skriptoren von Hand auf Pergament, ein Buch war also ein kostbares Objekt. Neu findet man in den Manuskripten aus der Zeit nicht mehr nur das für administrative und kirchliche Belange übliche Latein, sondern auch die gesprochenen Landessprachen. Dass in diesen Sprachen auch gesungen wurde, zeigen die erhaltenen Stücke aus der Zeit: Sie demonstrieren grosse Kenntnis des überlieferten Wissens aus der Antike, gleichzeitig entstanden neue Kunstformen. Das 12. Jahrhundert ist auch die Zeit der amour courtois (der «höfischen Liebe», später des Minnesangs) und des cantus gestualis (in Musik/Gesang erzählte Geschichten). In diese Zeit fallen die Lais der Marie de France.

Über Marie de France ist fast nichts bekannt, ihren Beinamen «de France» stammt aus ihrer eigenen Feder: «Marie ai nun, si sui de France» (Ich heisse Marie, ich komme aus Frankreich) schreibt sie in ihrer Übersetzung von Aesops Fabeln. Marie übersetzt ins Anglo-Normannische, ein Dialekt des Altfranzösischen, der vor allem am englischen Hof gesprochen wurde: Es wird daher vermutet, dass Marie de France in dessen Umkreis lebte. Sie hinterlässt neben diesen Fabeln auch zwölf Lais, die sie laut eigenen Angaben bei bretonischen Sängern gehört habe und nun in ihre eigene Sprache übersetze, damit sie nicht vergessen gingen. In den letzten Zeilen ihrer Lais nennt Marie meist ein Lied, das aus eben dieser Geschichte verfasst wurde, manchmal sind auch spezifische Instrumente dafür erwähnt. Die Verbindung von Geschichte erzählen und Musizieren scheint für die Lais also sehr stark. Dies gab mir die Idee, eine solche Geschichte musikalisch umzusetzen.

Die Geschichte vom Werwolf Bisclavret beginnt mit dessen Frau, die sich Sorgen macht, weil ihr Mann jeden Monat drei Tage spurlos verschwindet. Als sie sein Geheimnis erfährt, fürchtet sie sich und will sich von ihm trennen. Während einer erneuten Abwesenheit Bisclavrets schickt sie ihren Liebhaber, Bisclavrets Kleidung aus dem Versteck zu stehlen, damit er sich nicht zurückverwandeln kann. Der König des Landes stösst bei einer Jagd auf Bisclavret, was ihn beinahe das Leben kostet. Doch die beiden befreunden sich und Bisclavret lebt fortan am Hof des Königs. Als der Liebhaber seiner Frau am Hof auftaucht, wird Bisclavret rasend und attackiert ihn. Nun erst kommt der König dem Geheimnis auf die Spur...

Programmlänge: ca 40 Minuten.
Präsentiert mit projizierten Übertiteln der Übersetzung.
Kann für ein abendfüllendes Konzert (ca. 75min) auf Wunsch mit weiteren Lais kombiniert werden.

Promo-Video zum Projekt Bisclavret (2020)

 

Riddle Songs

 

 

Rätsellieder aus dem Exeter Book. Eine musikalische Kollaboration mit Stef Conner. Neuvertonungen von altenglischen Rätselgedichten aus dem Exeter Book (10. Jh.). Musik von Hanna Marti und Stef Conner.

Das Projekt Riddle Songs ist zweiteilig: Dies war nicht von Anfang an so geplant, sondern hat sich aufgrund der globalen Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 so entwickelt.


Ursprünglich war und ist Riddle Songs ein Konzept-Album der englischen Komponistin und Musikerin Stef Conner. Sie vertonte ausgewählte anglo-sächsische Rätsel-Gedichte aus dem Exeter Book (10. Jahrhundert), teils in mittelalterlich anmutendem Stil mit Leier und Gesang, teils in völlig neuem Kontext für das vierzehnstimmige Vokalensemble Everlasting Voices. Auch einige wenige Vertonungen von Hanna Marti, die auf der CD als Sängerin und Harfenistin involviert ist, sind Teil des Albums. Riddle Songs ist im Jahr 2020 bei Delphian erschienen.

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Stef Conner und Hanna Marti. Fotos: Jacob Mariani

Da das Coronavirus wütete und ein Konzert zur CD-Taufe verunmöglichte, suchten die beiden Musikerinnen Stef Conner und Hanna Marti nach einem anderen Weg, um auf ihr Album aufmerksam zu machen. Dabei enstand eine Serie von kurzen, schlichten, teils nicht ganz ernst gemeinten "Riddeo", also Rätsellied-Videos, die sie auf Youtube veröffentlichten. Die Riddeos wurden zum wöchentlichen Ritual, das den Musikerinnen auch half, während der für Kunstschaffende schwierigen Pandemiezeit nicht den Mut und die Freude am kreativen Spiel zu verlieren.


Ein Konzert der Riddle Songs kann also – je nach Fokus – Teile des Albums oder Lieder aus den später entstandenen Riddeos enthalten.


Programmlänge: flexibel
Personen: Duo Programm (Stef Conner und Hanna Marti) oder 14-köpfiges Vokalensemble.
Falls Sie Riddle Songs buchen möchten, nehmen Sie am besten mit Hanna Marti Kontakt auf.

Präsentiert mit projizierten Übertiteln der Übersetzung.

Amrae Coluimb Chille

 

Eine historisch inspirierte Neuvertonung des altirischen Textes Amrae Coluimb Chille: Ein Klagelied für den mittelalterlichen irischen Abt und Missionar St. Colmcille (Columba) von Iona (520/1–597).

Dieses Projekt entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Dr. Ann Buckley von Trinity College Dublin. Der altirische Text Amrae Coluimb Cille ist aus dem 9. Jahrhundert ohne Musik überliefert, Ann Buckley geht aber davon aus, dass er musikalisch vorgetragen wurde. Für meine Rekonstruktion orientiere ich mich an der Sequenzmelodie Planctus Cygni. Diese Melodie vertont im 9. Jahrhundert unter anderem die Sequenz Clangam filii ploratione una, den Klagegesang eines Schwans, dessen Not während eines Fluges durch die Nacht, die durch das Aufgehen der Sonne am Horizont verdrängt wird, wohl als eine Allegorie für den Sündenfall des Menschen zu lesen ist. Die Sequenzmelodie Planctus Cygni war lange nach seiner Entstehung in Gebrauch und innerhalb Europas verbreitet.

Die frühmittelalterliche Leier, auf der sich Hanna Marti für dieses Stück begleitet, wird sowohl gezupft als mit einem Plektrum geschlagen.

Das ca. 15 minütige Stück kann mit Stücken zu weiteren Heiligen des Frühmittelalters, mit Sequenzen und deren Melodien, sowie mit instrumentalen Improvisationen zu einem vollen Konzertprogramm verlängert werden.

Programmlänge: 15-60 Minuten.

Präsentiert mit projizierten Übertiteln der Übersetzung.

 

Projekt-Video zu Amrae Coluimb Chille (2020)

Metamorphoses

 

Die Geschichte von Orpheus aus dem 10. und 11. Buch der Metamorphosen von Publius Ovidius Naso. Musik re-kreiert von Hanna Marti.
 

Die Geschichte von Orpheus ist vermutlich eine der bekanntesten Liebesgeschichten. Sie stammt aus den Metamorphosen des Dichters Publius Ovidius Naso (43 v. Chr. - 17 n. Chr.), heute berühmt als Ovid. Die Metamorphosen sind eine Sammlung vieler Geschichten, die meisten davon sind mythologischen Inhalts und die verschiedenen Episoden sind miteinander verbunden und ineinander verwoben; sie formen ein "carmen perpetuum", ein ewiges Lied, wie Ovid selber seine Dichtung nennt.

 

Es ist sicher, dass die Metamorphosen im Mittelalter gelesen, wahrscheinlich auch gesungen wurden. In spätmittelalterlichen polyphonen Stücken werden Ovids Verse auf eine Weise zitiert, die darauf schliessen lässt, dass sie in weiten kulturellen Kreisen bekannt waren. Die Praxis des musikalischen 

 
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Während einer Aufführung der Metamorphosen. Foto: Denis Rylov.

Geschichtenerzählens zieht sich durch das ganze Mittelalter und bleibt lange bestehen: Johannes de Grocheo beschreibt noch um 1300 die Praxis des cantus gestualis, in dem "die noblen Taten der Helden und der alten Väter rezitiert werden".

 

Die Geschichte von Orpheus beginnt mit seiner Heirat mit Eurydike, die von einer Schlange gebissen wird und stirbt. Orpheus bewegt die Bewohner der Unterwelt durch seinen Gesang und sein Harfenspiel dazu, ihm Eurydike wiederzugeben, allerdings unter der Bedingung, sich bis zum Verlassen der Unterwelt nicht umzudrehen. Orpheus kann der Versuchung nicht widerstehen und dreht sich zu seiner Geliebten, die hinter ihm geht: Eurydike fällt zurück in den Hades, nun auf immer verloren. Orpheus besteigt das höchste Gebirge und beginnt dort, seine Lieder zu singen. Er zieht eine grosse Zuhörerschaft an, bewegt sogar Steine und Bäume dazu, sich um ihn zu versammeln. Doch die wilden Bacchantinnen finden Orpheus und greifen ihn an: Sie erschlagen den Sänger und seine Zuhörerschaft. Orpheus' Kopf und seine Harfe treiben auf dem Fluss davon, die Harfe spielt weiter, der Kopf singt weiterhin seine Lieder. Orpheus kommt in der Unterwelt an und ist endlich mit Eurydike vereint.

 

Für die Geschichten Ovids sind keine Melodien überliefert. Inspiration für meine Rekonstruktionen habe ich bei den Oden von Quintus Horatius Flaccus (65-8 v. Chr.) gefunden, für die musikalische Quellen aus dem Mittelalter überliefert sind. Im Mittelalter gibt es das Konzept des Urheberrechtes nicht: Texte und Melodien werden immer wieder neu verwendet, umgeformt oder zusammengesetzt. Es ist daher eine historisch sinnvolle Entscheidung, das Tonmaterial der Horaz-Oden für meine Rekonstruktionen zu verwenden. Die Harfe unterstützt mich durch modale "patterns" in der Begleitung der Rezitation, sie etablieren und stärken den Modus.

 

Für meine Arbeit mit den Metamorphosen existiert keine "Partitur", es wurde nichts auf Papier komponiert. Die gesamte Rezitation ist basiert auf dem Text und einigen wenigen rudimentären Zeichen, die mich an die modalen Gesten erinnern. Dadurch wird jede Aufführung einzigartig und bleibt im Zeitgeist der mittelalterlichen Musik: Das Stück ist "komponiert" im Sinne des lateinischen com-ponere, zusammensetzen, die Kunst der mittelalterlichen cantores basiert auf mündlicher Überlieferung und entsteht nicht auf dem Papier oder Pergament. Da diese mündliche Überlieferung uns nicht erhalten geblieben ist, kann keine Aufführung mittelalterlicher Musik den Anspruch stellen, eine originale oder "echt mittelalterliche" Version zu präsentieren. Aber durch meinen Arbeitsprozess, der Musizieren ohne Notation mit modalen Melodiegesten und originalem Text verbindet, kann ich mich dem musikalischen Zeitgeist des Mittelalter annähern.

Video zur Entstehung des Programms Metamorphosen (2016)

Kollaborationen

Moirai Ensemble (Co-Direktion Hanna Marti und Mara Winter): www.moirai-ensemble.com

 

Sequentia Ensemble : www.sequentia.org

Ensemble Leones: www.leones.de